
Gesundheitsinformation
Tinnitus
Tinnitus ist die Wahrnehmung von Geräuschen wie Klingeln, Pfeifen, Rauschen oder Brummen im Ohr, ohne dass eine entsprechende äußere Schallquelle vorhanden ist.
Tinnitus betrifft schätzungsweise jeden vierten Erwachsenen in Deutschland zumindest zeitweise, bei etwa 3 Millionen Menschen ist er chronisch und dauerhaft belastend. Die Ohrgeräusche selbst sind keine eigenständige Krankheit, sondern meist ein Symptom einer zugrunde liegenden Störung im Hörsystem oder in dessen Verarbeitung im Gehirn. Während viele Betroffene lernen, mit dem Geräusch umzugehen, empfinden andere es als erhebliche Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität, Konzentration und ihres Schlafs.
Typische Symptome
- Klingeln, Pfeifen, Rauschen, Zischen oder Brummen in einem oder beiden Ohren
- Wahrnehmung des Geräuschs unabhängig von einer äußeren Schallquelle
- Ein- oder beidseitiges Auftreten, konstant oder pulsierend
- Begleitende Hörminderung oder das Gefühl eines 'verstopften' Ohrs
- Überempfindlichkeit gegenüber Alltagsgeräuschen (Hyperakusis)
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- Ein- und Durchschlafstörungen, insbesondere in ruhiger Umgebung
- Gereiztheit, innere Unruhe oder Erschöpfung
- Belastung der Stimmung bis hin zu depressiven Verstimmungen bei chronischem Verlauf
Ursachen & Risikofaktoren
Häufig liegt eine Schädigung des Innenohrs zugrunde, etwa durch eine Lärmschädigung nach einem Knalltrauma oder lauter Musik, einen Hörsturz mit plötzlicher Durchblutungsstörung im Innenohr oder eine altersbedingte Schwerhörigkeit (Presbyakusis). Auch Erkrankungen des Mittelohrs wie Mittelohrentzündungen oder ein Ohrenschmalzpfropf sowie Erkrankungen des Innenohrs wie der Morbus Menière können einen Tinnitus auslösen.
Daneben spielen Funktionsstörungen der Halswirbelsäule oder des Kiefergelenks (CMD), Bluthochdruck oder Gefäßveränderungen sowie bestimmte Medikamente mit ototoxischer Wirkung eine Rolle. Auch anhaltender Stress und psychische Belastung können einen Tinnitus begünstigen oder verstärken. In vielen Fällen bleibt die genaue Ursache jedoch unklar.

Diagnose
Die Abklärung erfolgt in der Regel bei einem HNO-Facharzt und umfasst mehrere Schritte:
- 1Ausführliche Anamnese – Beginn, Charakter, Lautstärke und Verlauf des Geräuschs
- 2Ohrmikroskopie zum Ausschluss von Ohrenschmalz oder Entzündungen
- 3Hörtest (Tonaudiometrie) zur Erfassung des Hörvermögens
- 4Tinnitus-Matching zur Bestimmung von Frequenz und Lautstärke des Geräuschs
- 5Tympanometrie zur Prüfung der Mittelohrfunktion
- 6Blutdruckmessung und Untersuchung der Halswirbelsäule
- 7Bildgebung (MRT) bei einseitigem Tinnitus zum Ausschluss selterer Ursachen wie eines Akustikusneurinoms
- 8Fragebögen zur Erfassung des Belastungsgrades
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und danach, ob der Tinnitus akut oder chronisch ist:
- Kortison-Infusionen in den ersten Tagen bei akutem Tinnitus oder Hörsturz
- Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) zur Umgewöhnung der Wahrnehmung
- Hörgeräteversorgung, wenn eine begleitende Hörminderung vorliegt
- Counseling und Psychoedukation zum besseren Umgang mit dem Geräusch
- Kognitive Verhaltenstherapie bei starker psychischer Belastung
- Tinnitus-Noiser oder Rauschgeräte zur Maskierung des Geräuschs
- Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung
- Behandlung zugrunde liegender Erkrankungen, z. B. Bluthochdruck oder CMD
Wichtig
Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?
- Plötzlich auftretender, einseitiger Tinnitus, insbesondere zusammen mit Hörminderung (Hörsturz)
- Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen zusammen mit den Ohrgeräuschen
- Ohrgeräusche nach einer Kopfverletzung oder einem Unfall
- Zunehmende einseitige Hörminderung über mehrere Wochen
- Ohrenschmerzen, Ausfluss oder Fieber zusammen mit dem Tinnitus
- Pulssynchrones, pochendes Ohrgeräusch
- Starke psychische Belastung oder Schlaflosigkeit durch den Tinnitus
Häufig gestellte Fragen
- Geht Tinnitus von alleine wieder weg?
- Ein akuter Tinnitus, etwa nach lauten Geräuschen oder Stress, klingt bei vielen Betroffenen innerhalb weniger Tage bis Wochen von selbst ab. Hält er länger als drei Monate an, spricht man von chronischem Tinnitus, der meist nicht mehr vollständig verschwindet, aber durch Therapie oft besser erträglich wird.
- Ist Tinnitus gefährlich?
- Tinnitus selbst ist in der Regel keine gefährliche Erkrankung, kann aber sehr belastend sein und auf ein zugrunde liegendes Problem wie einen Hörsturz hinweisen. Ein plötzlich auftretender, einseitiger Tinnitus sollte zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
- Kann Stress Tinnitus auslösen oder verschlimmern?
- Ja, Stress gilt als einer der häufigsten Verstärker von Tinnitus. Er kann sowohl das erstmalige Auftreten begünstigen als auch bestehende Ohrgeräusche subjektiv lauter und belastender erscheinen lassen.
Wichtiger Hinweis: Diese Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Ohrgeräuschen wenden Sie sich bitte an einen HNO-Arzt. Die Inhalte wurden sorgfältig recherchiert, erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit.